Der Nutzen einer Cloud

Kürzlich hat mich ein Bekannter gefragt, was für oder gegen das Nutzen von Google-Drive spricht. Da die Antwort recht umfangreich ist und nicht nur einen Cloud-Anbieter betrifft, ist aus meiner Antwort folgender Beitrag entstanden.

In erster Linie kommt es drauf an, was für Daten man bei Google-Drive bzw. einer Cloud generell  speichern will. Und natürlich: was man sich überhaupt davon verspricht?

Prinzipiell kann immer einer mitlesen

Ich würde erstens dazu raten, keine wirklich wichtigen Daten in einer Cloud zu speichern (weder privat noch beruflich). Denn prinzipiell kann es immer sein, dass jemand Zugriff auf die Daten bekommt – sei es die NSA, ein Hacker oder der Anbieter selbst… Auch verschlüsselte Daten z.B. mit TrueCrypt/VeraCrypt können nicht als 100% sicher angesehen werden.

Es geht auch anders

Für mich macht eine Cloud nur Sinn, um bestimmte Dateien auf verschieden Geräten über die Cloud abzugleichen. Ich nutze z.B. für meine Rechnungen die norwegische Jottacloud, wo die Daten nach strengen Datenschutzregeln auf norwegischen Servern gespeichert werden. So habe ich auf meinem großen Rechner und meinem Laptop immer Zugriff drauf, und kann so meine Rechnungen auch unterwegs schreiben.

Es ist Vertrauenssache

Ein Kunde von mir nutzt für beruflich sensible Daten den deutschen Cloud-Dienst TeamDrive. TeamDrive bietet seine Dienste vor allem für Berufsgruppen an, die eine besondere Verpflichtung zum vertraulichen Umgang mit Informationen haben (Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Journalisten).
Die TeamDrive Server befinden sich nach eigenen Angaben alle in Europa. Die Daten werden dabei vor der Übertragung zum Server mit dem AES-256 Algorithmus verschlüsselt. TeamDrive wirbt dabei mit dem „Zero-Knowledge“-Privacy Prinzip. Doch kann man einem kommerziellen Anbieter (egal wie groß oder klein) 100% vertrauen?

Ich selber synchronisiere mein Adressbuch und meine Kalender über die iCloud. So kann jemand bei Apple später meinen Lebenslauf rekonstruieren, wenn er will… (Die wirklich wichtigen Sachen in meinem Leben finden sich jedoch nicht in einem digitalen Kalender wieder! Niemals…!!!)

Die große Datenschieberei

Katzenfotos für die CloudMir ist persönlich nicht ganz wohl bei der Vorstellung, dass Gigabytes an Daten hin und her geschoben werden, nur weil ich am Wochenende 300 neue Katzenfotos geschossen habe und diese nun in den Photostream geladen werden. Oder weil ich mein iPhone mit 128GB Speicher aus dem iCloud-Backup wiederherstellen will. Die Vorstellung, dass auf dem Weg in die USA und zurück Tausende Server rund um die Uhr rotieren und das Klima aufheizen, nur um 300 Katzenfotos in der Cloud zu speichern finde ich unangenehm. Es mag eine persönliche Macke sein, aber ich entscheide ganz bewusst, welche und wie viele Daten ich wo auf den Weg schicke…

 

Also doch die Dropbox? ( = Bequemlichkeit siegt)

Für nicht so wichtige private Daten ( wie z.B. Flug-, Bahn- oder Kino-Tickets) nutze ich dann doch die Dropbox, denn die ist vor allem auf Smartphones einfach komfortabler als die Apps anderer Anbieter. Und einige Kunden lassen mir ihre Daten über Dropbox zukommen, was einfach bequem ist. Dass Anbieter wie Dropbox ihr Geschäft mit Big Data machen nehme ich dabei in Kauf. (Dabei gilt wiederum: je mehr Katzenfotos, um so besser…! )

Das macht ja Google allen voran auch…. Ich hatte Google-Drive eine Zeitlang getestet, aber der Mac-Client war damals nicht ausgereift und stürzte ständig ab. So hatte ich keine Lust mehr drauf.
(Auf einem PC und einem Android Smartphone müsste es gut funktionieren, denke ich.)

Stromausfall – und dann…?

Schließlich kommt dazu die größte Schwachstelle unserer modernen vernetzten Welt: dass man z.B. bei einem Stromausfall/Internetausfall/Blackout…  keinen Zugriff mehr auf seine Daten hat. Das ist in der Regel nicht so dramatisch, denn diese werden ja mit dem PC abgeglichen, sind im Normalfall also auf dem PC vorhanden. Aber oft kommt vieles gleichzeitig zusammen: durch einen großflächigen Stromausfall geht das Netzteil des PCs durch die Überspannung kaputt, der Laptop-Akku ist leer und das Internet bricht großflächig zusammen… Perfekt!
Ich würde daher eine Cloud niemals als alleinige Back-Up-Möglichkeit nutzen.

Also zusammengefasst:

  1. bei einer Cloud kann immer einer mitlesen
  2. daher immer bewusst entscheiden, was man der Cloud „anvertraut“
  3. die Cloud muss (und kann) nicht immer erreichbar sein
  4. große Datenmengen kosten Bandbreite für die Übertragung und verbrauchen viel Strom

Ich gebe als Regel nur solche Daten in die Cloud, die mir praktisch egal sind. Egal, ob einer sie zu Gesicht bekommt und egal, ob sie eines Tages weg sind.
Welche Daten das sind, das entscheide ich jedes Mal aufs Neue…

 

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